Drucken

Xylit-Kaugummis und Kariesreduktion

Zahnmedizinisches Institut der Universität Tukru, Finnland

Bereits 1971 wurden im Zahnmedizinischen Institut an der Universität Turku in Turku, Finnland unter der Leitung von Prof. Kauko K. Mäkinen zwei kurze Tests von jeweils  4 - 5 Tagen durchgeführt. Es wurde untersucht, welche Auswirkungen eine kurzfristige Anwendung verschiedener Kohlenhydat-Süssungsmittel auf das Wachstum und die Zusammensetzung der Plaquemasse haben. Diese Versuche zeigten, dass die Anwendung von Xylit mit einer ca. 50%-igen Reduktion der Plaquamenge – im direkten Vergleich mit der Anwendung von Saccarose, Glucose, Fructose und Sorbit – verbunden war. Die Resultate dieser einfachen Studie waren so überraschend und vielversprechend, dass sich die Wissenschaftler entschlossen, sofort einen zweijährigen klinischen Kariesversuch mit Xylit zu planen. Die Turku-Zuckerstudien waren geboren:

 

Zweijährige Ernährungsstudie mit Xylit

Von 1972 bis 1974 wurde die sog. „Ernährungsstudie“ lanciert, bei welcher der Zucker in der Ernährung beinahe vollständig durch Fructose bzw. Xylit ersetzt wurde. Die Studie umfasste am Ende insgesamt 115 Testpersonen, welche in drei Gruppen unterteilt waren. Jede Gruppe erhielt eine Diät, in der das Süssungsmittel fast aller Nahrungsmittel entweder Saccharose (gewöhnlicher Zucker), Fructose oder Xylit war. Die normale Verzehrmenge von Xylit pro Testperson war 50-67 g täglich. Die Süssungsmittel wurden in gewöhnlichen Lebensmitteln verwendet, die normalerweise von finnischen Verbrauchern bevorzug wurden, und waren werktags in einem besonderen „Shop“ im Keller des Zahnmedizinischen Instituts erhältlich. Diverse örtliche Unternehmen erklärten sich bereit, für diesen Versuch die entsprechenden Lebensmittel herzustellen (von Eiscreme bis marinierten Hering).

Die Resultate waren überwältigend: In der Xylitgruppe wurde eine hochsignifikante Reduktion der Karies von über 85% ermittelt, im Vergleich zu der Saccharosegrupppe. Die entsprechende Reduktion der Karies bei der Fructosegruppe betrug lediglich 30%). 

 

Einjährige Xylit-Kaugummi-Studie

Die ersten Ergebnisse der Ernährungsstudie führten noch während der laufenden Studie zum Entschluss, die antikariogene Wirkung von Xylit sofort genauer zu untersuchen und die Turku-Kaugummistudie von 1973-1974 war geboren. Diese Studie ergab eine signifikante Kariesreduktion von >82% bei täglicher Einnahme von 6,7g pro Testperson in Form von mit Xylit gesüssten Kaugummis. Die Ergebnisse der Turku-Zuckerstudien fanden viel Beachtung anderenorts und es folgte eine grosse Anzahl von neuen Studien. 

 

Xylit-Kaugummi-Studie in Belize

In einer Kaugummistudie in Belize in Zentralamerika, welche von der Universität von Michigan (USA) durchgeführt wurde, war eines der Hauptziele, direkte Vergleiche zwischen den Wirkungen von Xylit- und Sorbitkaugummis zu machen. Ursprünglich nahem an der Studie ca. 1300 Schüler teil, die in neun Testgruppen eingeteilt wurden. Eine Gruppe erhielt in der Studie keine Kaugummi, während andere Gruppen entweder normalen Zuckerkaugummi oder mit Xylit bzw. Sorbit gesüssten Kaugummi für eine Dauer von 40 Monaten erhielten. 

Die Kinder, welche Xylitkaugummi kauten, hatten nach 40 Monaten einen signifikant niedrigeren Karieszuwachs als die Kinder, die Sorbitkaugummi erhielten. Dieses Ergebnis unterstützte die Auffassung, dass Xylit ein effektives antikariognes Süssungsmittel war und nicht nur ein Zuckeraustauschstoff.

Sorbitolkaugummi hatten einen weniger starken Karieszuwachs aufzuweisen als Xylitkaugummis, waren jedoch auch viel besser, als die Zuckerkaugummis, welche zu den erwarteten Kariesverschlimmerungen führten. 

Darüber hinaus konnte die Studie beweisen, dass der Einsatz von Xylit-Kaugummi sogar zu einer Remineralisation der Schmelzkariesläsionen geführt hatte. Verschiedene Schmelzkariesläsionen hatten nach der Einnahme von Xylit einen Wiedererhärtungsprozess durchgemacht und waren bei der klinischen Schlussregistrierung nicht mehr sichtbar. Ähnliche Remineralisaton wurde auch in anderen Zahnkariesstudien mit Xylit beobachtet. 

Diese Ergebnisse konnten bei den Sorbitkaugummi-Gruppe hingegen nicht festgestellt werden. Der Einsatz von Sorbit kann nicht zu einer Remineralisierung von Schmelzkariesläsionen führen.